Maschinenbau

Kosten um knapp 90 Prozent gesenkt und Umwelt entlastet

Die Nassauswaschung ist die Standard-Technologie, um Overspray aus Lackierkabinen abzuscheiden und aus der Anlage auszutragen. Für den Lackschlammaustrag stellte eine polnische Lackiererei von Schlammräumern auf eine Reinigungszentrifuge von Rösler um. Durch hohe Kosteneinsparungen hat sich die Investition bereits im ersten Jahr amortisiert. Gleichzeitig erfolgt die Lackschlammaufbereitung damit ressourcen- und umweltschonender sowie sauberer.

1996 startete der im polnischen Ordzin ansässige Lohnbeschichter Hannex mit der manuellen Nasslackierung von Bauteilen für die Hausgeräteindustrie. Inzwischen verfügt das Unternehmen über hochmoderne Arbeitsplätze für die manuelle Applikation und mehrere vollautomatische Lackierstraßen mit Sechsachs-Lackierrobotern sowie computergesteuerter Farbküche. Beschichtet werden Metall-, Kunststoff- und Glasteile mit lösemittelhaltigen und wasserbasierten Nasslacken. „Neben der Hausgeräteindustrie zählen heute renommierte Unternehmen aus der Automobil- und Zulieferindustrie zu unseren Kunden, die wir weltweit beliefern“, berichtet Krzysztof Iwanicki, Geschäftsführer bei Hannex.

Kosten und Umwelt im Fokus

Um eine hohe Qualität und Wirtschaftlichkeit zu gewährleisten, setzt das Unternehmen aktuellste Applikationstechnologie namhafter Hersteller ein. Overspray lässt sich damit zwar reduzieren, aber nicht komplett vermeiden. Die Abscheidung des Farbnebels erfolgt in klassischer Venturi-Nassauswaschung. Dabei werden die Lackpartikel mit zerstäubtem Wasser aus der Luft in der Lackierkabine gebunden und in drei bereitstehende Auffangbecken mit einem Gesamtvolumen von zehn Kubikmetern transportiert. Um das Prozesswasser stabil zu halten, war der Einsatz von Chemikalien zur pH-Korrektur wie Entschäumern und Bioziden erforderlich. Koagulations- und Flockungsmittel sorgten dafür, dass sich die Lackpartikel vom Wasser trennen und als Lackschlamm aufschwimmen. Dieser Schlamm wurde von der Wasseroberfläche mit einem Schlammräumer in Behälter geschoben und entsorgt. Dies summierte sich auf durchschnittlich vier Tonnen Schlamm und Schmutzwasser pro Woche. Die professionelle Entsorgung der Abfallstoffe hat nicht nur enorme Kosten verursacht, sondern war ebenso wie der daraus resultierende, hohe Wasserverbrauch unter Umweltaspekten nicht optimal. Hinzu kam, dass diese Art der Lackschlammaufbereitung zu einer Geruchsbelästigung für die Mitarbeiter führte. „Diese Nachteile störten mich seit längerem. Daher interessierte mich die Möglichkeit des Lackschlammaustrags mithilfe einer Reinigungszentrifuge sehr, über die mich Filip Kapela, der die Rösler Oberflächentechnik in Polen vertritt, 2016 informierte“, merkt Krzysztof Iwanicki an. Dieser ersten Information folgte ein gemeinsamer Besuch am Firmensitz des Anlagenbauers Rösler in Untermerzbach. Hier konnte sich Krzysztof Iwanicki live von der Arbeitsweise und Leistungsfähigkeit der Zentrifugentechnik bei der Lackschlammaufbereitung überzeugen. „Ich habe sofort meine Anforderungen definiert und mich dann für die Zentrifuge RZ 120 M-V entschieden“, erinnert sich der Geschäftsführer.

Effiziente Trennung von Lackschlamm und Wasser

Die halbautomatische Reinigungszentrifuge ist für einen Durchsatz von 120 Liter pro Minute ausgelegt. Das Prozesswasser wird von einer Beschickungspumpe kontinuierlich in den Zentrifugenrotor geleitet, der mit 2.750 UpM rotiert. Durch die hohe Drehzahl wird nicht nur eine hohe Abscheideleistung erzielt, es setzen sich auch sehr kleine und leichte Lackpartikel an der Rotorwandung als Schlamm ab. Der stichfeste Schlamm weist eine Restfeuchte von nur noch 20 bis 30 Prozent auf, während beim Austrag mit einem Schlammräumer Restfeuchtegehalte von über 80 Prozent erreicht werden. Nachdem die Aufnahmekapazität vom 22 kg Schlamm erreicht ist, kann der im Rotor befindliche Schlammkorb der halbautomatischen Zentrifuge einfach entnommen und entleert werden.

Alternativ dazu verfügen automatische Zentrifugen für den Schlammaustrag aus dem Rotor über ein feststehendes Schälmesser. Es wird über eine Linearführung in den langsam drehenden Rotor eingefahren und schält den Schlamm ohne Belastung der Lagerung heraus, der dann automatisch in einen Behälter transportiert wird. Nach dem Schälvorgang wird der Rotor gespült, um eventuell noch vorhandenen Restschmutz zu entfernen, der beim Wiederanlauf eine Unwucht und damit einen Lagerverschleiß verursachen könnte. Das von den Lackpartikeln gereinigte Wasser gelangt über ein Schälrohr wieder zurück in den Prozess.

Schnelle Amortisation und hohe Einsparungen

Dass man sich bei Hannex für eine halbautomatische Zentrifuge entschieden hat, lag einerseits an der kompakten und platzsparenden Konstruktion der Anlage, die serienmäßig mit Steuerung, Prozesswasser- und Reinwassertank ausgestattet ist. Andererseits an der hohen Bediener- und Wartungsfreundlichkeit. Außerdem ermöglicht das verfahrbare Untergestell, für das sich Hannex entschieden hat, die Anlage flexibel für unterschiedliche Auffangbecken einzusetzen. „Der Zentrifugalprozess ist so effektiv, dass wir keine Koagulations- und Flockungsmittel für den Lackschlammaustrag mehr benötigen. Auch auf alle weiteren Chemikalien zur Stabilisierung des Wassers in den Auffangbecken können wir verzichten. Wir verwenden jetzt nur noch Chlor zur Desinfektion des wiedergewonnenen Wassers, das kristallklar aus der Reinigungszentrifuge kommt “, berichtet Krzysztof Iwanicki.

Es sind aber nicht nur die nicht mehr erforderlichen Chemikalien, die zu hohen Einsparungen führen. Die Menge des zu entsorgenden Schlamms hat sich durch die geringe Restfeuchte ebenfalls merklich verringert. Und nicht zuletzt wird weniger Frischwasser benötigt. „Die Zentrifuge ist bei uns seit 2016 in Betrieb. Sie hat sich bereits im ersten Jahr amortisiert und wir haben die Betriebskosten der Lackschlammaufbereitung um rund 70 Prozent gesenkt. Seit dem zweiten Betriebsjahr betragen die Einsparungen 89 Prozent“, erzählt der Geschäftsführer.

Neben der hohen Kostenreduzierung freut sich Krzysztof Iwanicki auch über den geringeren Ressourcenverbrauch und die Umweltentlastung, die durch die Reinigungszentrifuge erzielt wurde. All dies zusammen hat ihn dazu veranlasst, in eine weitere Zentrifuge für die Aufbereitung des Wassers, das zur allgemeinen Reinigung der Lackierkabinen verwendet wird, zu investieren.

www.rosler.com

Rösler Oberflächentechnik GmbH ist als Komplettanbieter internationaler Marktführer bei der Herstellung von Gleitschliff- und Strahlanlagen, Lackier- und Konservierungssystemen, sowie Verfahrensmitteln und Technologie für die rationelle Oberflächenbearbeitung (Entgraten, Entzundern, Entsanden, Polieren, Schleifen…) von Metallen und anderen Werkstoffen. Zur Rösler – Gruppe gehören neben den deutschen Werken in Untermerzbach/Memmelsdorf und Bad Staffelstein/Hausen Niederlassungen in Großbritannien, Frankreich, Italien, den Niederlanden, Belgien, Österreich, Serbien, Schweiz, Spanien, Rumänien, Russland, Brasilien, Indien, China und den USA.

Die halbautomatische Reinigungszentrifuge RZ 120 M-V von Hannex verfügt über ein verfahrbares Untergestell, so dass es flexibel eingesetzt werden kann.

Foto: Roesler_AWB_Hannex_Z800-2_MG RZ 120 M-V_open

Nachdem die Aufnahmekapazität vom 22 kg Schlamm erreicht ist, kann der im Rotor befindliche Schlammkorb der halbautomatischen Zentrifuge einfach entnommen und entleert werden.

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